Donnerstag, 5. September 2013

With one step


Und zwei Augen, die nach vorn sehen
davon eins,das heimlich weint
Und ein Herz, das bis zum Hals schlägt
Wenn die ganze Welt auch Kopf steht
was so schwer und wichtig scheint
Das wird mir alles so egal, wenn ich mich frag:
Wieviel wiegt ein Herzschlag?

Ich habe den ersten Schritt getan. Ich bin hier und es erscheint mir noch immer wie ein Traum. Aus dem ich vielleicht bald schon aufwachen könnte.

Als ich in dieses Flugzeug stieg habe ich gebetet, gehofft und gefleht. Ich hatte große Angst. Ich wusste, ich würde meine Eltern nicht vermissen. Ich bin nicht mehr 10. Aber ich würde die Sicherheit vermissen, die sie mir gegeben haben. Die Garantie, dass jemand da wäre, der meine Wäsche macht und für mich kocht. Die Garantie, dass da jemand die Motten in meinem Zimmer tötet, jemand mit mir zum Amt geht und für mich redet. Jemand der mich in den Arm nimmt, wenn ich krank bin und mir den Tee kocht. Das würde ich vermissen. Ich wusste ich gebe es in dem Moment auf in dem ich einen Schritt in den Gate mache. Aber ich wusste auch: ich würde alles dafür tun! und wenn ich die Welt auf den Kopf stellen müsste. Denn auch wenn ich viele schöne Sachen aufgebe, so verlasse ich auch die Wut, den Schmerz, die Einsamkeit und das Unglücklichsein dieser Jahre. Egal was sie alle sagen - ich bin nicht mit 18 erwachsen geworden. Meine Kindheit habe ich erst in diesen einem Moment zurückgelassen, in dieser einen Sekunde, in der ich nicht zurückschaute. Die guten und die schlechten Augenblicke liegen nun alle hinter mir.

Ich habe nicht geweint, ich hatte nicht das Bedürfnis danach. Weinen kann man, wenn man mehr aufgibt, als man bekommt. Und ich wusste, dass ich das nicht tat. Aber dennoch ... es war etwas dramatisch. Das der Tag nun endlich da war und ich den Weg in die Unsicherheit tatsächlich gehe ... Gott. Und nun habe ich es hinter mir und obwohl ich noch oft mit ihnen schreibe, so vermisse ich es nicht. Sie sind nicht mehr Teil dieses Leben. Sie sind nicht mehr Teil von mir. Diese Stadt ist nicht mehr Teil von mir. Diese Mädchen, dass ich im letzten Jahr meine beste Freundin nannte. Diese Schule. Diese Pflichten. Diese Verwandten. Dieses falsche Lächeln. Es ist Vergangenheit. 

Ich bin jetzt hier angekommen und es ist das Beste was mir jemals passieren konnte. Die Familie ist sehr nett zu mir, sie fragen mich immer wie es mir geht, ob alles ok ist, ob sie mir helfen können, ob die Kinder lieb sind. Bis jetzt sind sie es noch, alle Beide. Wir haben unsere Diskussionen, aber ich weiß, dass es nichts ist, womit ich nicht klar komme. Jede Sekunde, die ich hier bin fühle ich mich besser. Jede Sekunde, die ich auf dem Rad verbringe und meinen Gedanken nachhänge, wird es mir bewusster. Wenn ich das Geschirr abwasche, oder den Boden sauge und selbst wenn ich den Kindern versuche klar zu machen, dass Konsolespiele nicht das wichtigste sind, selbst dann, fühle ich mich lebendig und wunderbar. Es ist als ob das Glück mich endlich eingeholt hat. Es ist als ob all dieses Leid meiner Teenagerjahre tatsächlich vorbei gehn kann und ich ... ich möchte Luftsprünge machen, weil es so wundervoll ist. So grandios. So einzigartig. 

Ich war heute beim Sprachkurs. Dem in dem auch andere Au - Pairs sind und habe mich vorher noch mit einer anderen getroffen. Einfach so. Ich habe mit fremden Menschen geredet, habe mein Englisch trainiert, habe mit ihnen gelacht und die zwei Stunden genossen. Noch nie habe ich mich im Unterricht so wohl gefühlt. Noch nie musste ich mir keine Sorgen wegen der Gruppenaufteilung machen. Noch nie war ich so gerne Teil eines Teams. Oh Gott, mir ist klar, wie erbärmlich das klingt ... aber meine Güte, selbst das ist mir egal. Ich könnte jetzt alles schreiben was ich will und nichts könnte meine Laune trüben. Es ist wie eine Explosion aus Farben und Licht, dass jetzt alles möglich ist. Das ich tatsächlich meinen Freshstart bekomme und ich mir selbst nicht im Wege stehe. Das alles so läuft, wie ich es mir in meinen traurigen Momenten immer vorgestellt habe. Mir ist klar wie das klingt, aber gerade ist alles einfach so perfekt. Ich habe eine wundervolle neue Familie gefunden Ich habe die Chance neue Freunde zu finden. Ich habe die Chance Erfahrungen zu sammeln um die mich alle beneiden werden. Ich habe Chancen und ich ergreife sie. Das ist alles was ich immer wollte und es ist die absolute Farbexplosion. Ich weiß, dass es mehr als nur richtig war mich für das hier einzusetzen, mich zum ersten Mal in meinem Leben für etwas aufzuopfern und den Kampf gegen die Ärzte aufzunehmen. Etwas durchzusetzen, dass aus den unwichtigen Gründen nicht das optimalste werden. Dieses Mal wirklich laut zu sagen: ICH WILL. Ich weiß, wenn ich irgendwann einmal auf mein Leben zurückblicken werde, dann werde ich mich an diesen einen Abend erinnern, an dem ich uneingeschränkt glücklich gewesen bin  - egal was noch kommt. 

Mich mögen Leute, sie fragen mich nach einem Kaffee. Sie fragen mich ob wir was zusammen machen. Sie reden mit mir. Sie scherzen mit mir. Sie lächeln mir zu. Sie fragen und akzeptieren die Antworten. Wir teilen, wir reden. Oh Gott, ich könnts noch hundert Mal schreiben und es würde sich nicht weniger wunderbar anhören. Am Samstag gehts ins Kino mit einer neuen möglichen Freundin. Ich bin gespannt! 

Der Tag bricht an,
bald schon ein neues Jahr
bist deinen Weg gegangen, bist noch immer da.

Und zwei Augen,
die zurückschauen.
Davon eins, das vor Glück weint.
Und ein Herz, dass sich erinnert wie es ist im Kampf zu sein.

Wenn die ganze Welt auch Kopfsteht
was mir früher wichtig war.
Das ist mir alles so egal,
wenn ich mich frag:
Wieviel wiegt ein Herzschlag?



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Hope